Sind Sie sicher, wo Ihre Königin herkommt?

Die Bienenstockkäfer- Kampagne hat Kenntnis davon, dass ein deutscher Imkereibetrieb im Frühjahr 2004 mindestens tausend Königinnen aus Kalifornien an deutsche Imker verkauft hat. Die Kampagne hat trotz monatelangem Ringen mit den Behörden bisher nicht erreichen können, dass die betroffenen Imker informiert werden. Die Bundesbehörde weicht den Forderungen und Fragen der Kampagne aus; die zuständige Länderbehörde antwortet nicht. Die Situation ist absurd. Starke Unterstützung bekam die Kampagne jedoch vom grünen Bundestagsabgeordneten Friedrich Ostendorff. Ministerin Künast hatte das Importverbot im Jahr 2003 auf der EU-Ebene mit durchgesetzt. Das wäre ohne die Aktivitäten der Bienenstockkäfer-Kampagne so nicht erfolgt. Es gibt aber zu viele Ausnahmen und erhebliche Mängel bei der Umsetzung.

Unbegreiflich ist, dass die EU ausgerechnet einigen US-Staaten die Möglichkeit von Ausnahmen prinzipiell eingeräumt hatte. Das galt auch für Kalifornien, das in einem Anhang zur EU-Verordnung gelistet wurde. Allerdings bestand dort, wie in allen anderen Bundesstaaten der USA, nie eine Anzeigepflicht für den kleinen Beutenkäfer. Eine konkrete Importgenehmigung ist seit dem 11.12. 2003 jedoch an das Vorhandensein solch einer Anzeigepflicht gebunden. Auf dem EU-Gesundheitszeugnis wird ausdrücklich danach gefragt. Demnach war im Jahr 2004 kein Land der USA zu einem Import berechtigt. Die EU-Kommission hat ihre Mitgliedsstaaten am 30.9. 2004 ausdrücklich auf diese Situation aufmerksam gemacht. Im selben Schreiben wurden die Veterinäre aufgefordert, Königinnen nachzugehen, die irrtümlicherweise aus den USA importiert wurden. In Deutschland ist wider besseres Wissen nichts Derartiges passiert.

Die deutsche Bundesbehörde stellt sich auf den Standpunkt, dass es nicht ihre Aufgabe sei, die Legalität konkreter Importe zu prüfen: Es liege in der Verantwortung der Bundesländer zu kontrollieren, ob im Einzelfall im Gesundheitszeugnis das Vorhandensein einer Anzeigepflicht rechtmäßigerweise bestätigt wurde. Die Veterinärdirektion in Mainz, die für den oben erwähnten Import zuständige Länderbehörde, antwortet bisher jedoch nicht auf die schriftlichen Fragen der Bienenstockkäfer- Kampagne. So erfahren die Imker nichts von der Herkunft ihrer Königinnen. Die Kampagne kann den Namen des Händlers leider nicht nennen. Sie wird inzwischen von dem betreffenden Importeur mit einstweiligen Verfügungen und Schadensersatz- Forderungen unter Druck gesetzt, den Namen der Imkerei auch weiterhin nicht öffentlich zu nennen.

Für Hawaii gilt wegen seiner Insellage seit dem 20.1. 2005 eine EU-Ausnahmegenehmigung. Es ist aber durchaus möglich, dass Hawaii als Drehscheibe für Importe benutzt werden könnte. In den USA gibt es Zuchtbetriebe, die jedes Jahr 300.000 Königinnen produzieren und weltweit versenden. Auch andere Länder,die legal importieren, könnten als Zwischenstation für Königinnen anderer Herkunft genutzt werden. Die Sorge besteht auch für EU-Länder, die mit dem Importverbot weniger strikt umgehen. Kaufen Sie deshalb nur Königinnen aus Deutschland!

Da deutsche Imker aber immer noch im guten Glauben Königinnen ohne Herkunftsangabe kaufen, werden wohl auch im Jahr 2005 wieder einige tausend Königinnen den Zoll im Flughafen passieren. Solche legalen, aber fragwürdigen Importe holt der Imkereibedarfshändler selbst am Flughafen ab und verkauft die Königinnen an seine nichtsahnenden Kunden. Erst nachträglich sendet er die Versandkäfige zur Kontrolle auf Befall durch den Beutenkäfer an ein deutsches Bieneninstitut. Wie fragwürdig das ganze Verfahren ist, zeigt ein Import aus den USA nach Portugal im vergangenen Jahr. Dabei wurde im Nachhinein ein Befall mit Beutenkäfern festgestellt. Die Völker wurden abgetötet. In Frankreich wurden 2004 mehr als 3.000 Königinnen aus den USA importiert. Erst durch massiven Druck der Imkerverbände wurden die Imker informiert und zur Kontrolle ihrer Völker aufgefordert. In Deutschland stellt man sich immer noch auf den Standpunkt, es sei alles legal zugegangen und es bestehe kein Handlungsbedarf.

Unbehelligt wirbt heute noch ein deutscher Imker im Internet für seine Königinnenimporte aus den USA. Schauen Sie lieber auf die Internetseite www.bienenstockkaefer.de – dort erfahren Sie, bei wem Sie am sichersten Ihre Königinnen kaufen. Oder Sie fordern eine Positivliste für 3,- Euro in Briefmarken an bei: Bienenstockkäfer-Kampagne, Mellifera e.V., Fischermühle 72348 Rosenfeld

Autor: Imkermeister Thomas Radetzki, Vorstand von Mellifera e.V.


Mellifera e.V.