Bienenstockkäfer-Kampagne
Bienenstockkäfer-Kampagne

Bienenstockkäfer in Portugal: Aktuelle Erkenntnisse

Aktuelle Erkenntnisse
Nach unseren Recherchen handelte es sich bei den Importen „lediglich“ um Königinnen, nicht um Bienenschwärme, die ungewöhnlich spät im Jahr aus Texas versandt wurden. Der Import hätte nach geltendem EU-Recht nicht stattfinden dürfen. Am 11.12. 2003 ist eine EU-Verordnung in Kraft getreten, welche die Einfuhr von Bienen oder Königinnen aus den USA hätte verhindern müssen. Der Import aus den USA ist generell verboten, weil der Beutenkäfer dort verbreitet ist und keine Anzeigepflicht für ihn besteht. Die portugiesische Behörde kannte diese Bestimmungen nicht oder setzte sie wider besseres Wissen nicht um.

Bei einer großen Anzahl von Ländern ist der Import von Königinnen in die EU zwar weiter erlaubt, unterliegt aber seit der genannten Verordnung einem strengen Kontrollverfahren seitens der jeweiligen Veterinärbehörde. Als Glücksfall ist zu bewerten, dass in Portugal wohl eine derartige strengere Kontrolle anfänglich erfolgte. So wurde der Befall letztlich festgestellt und gemeldet. Angeblich wurden Eier und Larven in den Königinnen-Versandkäfigen gefunden. Nicht zu verstehen ist, dass die Königinnen erst in den Völkern eingesetzt, der Befall aber erst später festgestellt worden sein soll. Nach dem neuen Verfahren muss die Behörde die Versandkäfige und Begleitbienen vernichten und darf dem Imker die Königinnen erst nach einer Kontrolle in neuen Käfigen weiterleiten.

Das Ereignis zeigt zweierlei: Positiv ist, dass das neue Kontroll- und Warnsystem wenigstens im Ansatz gegriffen hat. Erschreckend ist, dass die zuständigen Behörden unzureichend aufgeklärt wurden oder die Sachlage nicht ernstgenommen haben. Dieses Ereignis zeigt, wie notwendig das Importverbot ist.

Konsequenzen

Wir fordern eine strikte Umsetzung des Verbotes und eine qualifizierte Information der kontrollierenden Behörden. Wir fordern eine genaue und nachvollziehbare Aufklärung des Falls. Das gilt auch für den Umfang des Imports. Handelte es sich um eine große Zahl von Königinnen oder gar um einen Händler? Sind wirklich alle Verbreitungsmöglichkeiten verfolgt, die betreffenden Völker vernichtet und alle Standorte saniert worden? Falls die portugiesischen Behörden keine nachvollziehbare Beschreibung des Vorfalles vorlegen oder Bedenken bestehen, ob die Sanierung ausreichte, ist eine sorgfältige Kontrolle der Bienen in der betreffenden Region zu fordern. Gegebenenfalls ist jeglicher Bienentransport von Portugal in andere Länder der EU zu unterbinden.
Wir fordern das Internationale Tierseuchenamt OIE auf, endlich den kleinen Beutenkäfer in die Liste der relevanten Krankheiten aufzunehmen. Anders ist nicht zu erwarten, dass die Länder außerhalb der EU diesen Parasiten ernstnehmen. Wir fordern unsere Politiker auf, dafür einzutreten.
Das Importverbot muss ausgeweitet werden. Alle politischen Möglichkeiten müssen ausge­schöpft werden, um in den internationalen juristischen Rahmenbedingungen das Importverbot soweit als möglich zu verschärfen. Bei den bisherigen Regeln bestehen weiterhin Gefahren durch Ausnahmen, wie zum Beispiel erlaubte Bienenimporte aus Hawaii. Etwa 65 Ländern ist der Import von Königinnen weiterhin erlaubt! Aus Ländern, in denen eine Anzeigepflicht für den Beutenkäfer besteht, darf importiert werden, wenn Gesundheitszeugnisse bescheinigen, dass er im Radius von 30 km um die exportierende Imkerei nicht gefunden wurde. Es ist leicht vorzustellen, dass solche Bescheinigungen unter fragwürdigen Bedingungen erfolgen könnten.
Auch von den Imkern muss eine rigorose Haltung gegenüber jeglichem Bienenimport eingenommen werden. Es gibt keinen fachlichen Grund, Bienen oder Königinnen zu importieren. Züchtung und Vermehrung unserer Bienen kann auch nach schwerwiegenden Völkerverlusten aus dem europäischen Bestand erfolgen. Ausnahmen für züchterische Aufgaben dürften nur im Einzelfall gegenüber bienenwissenschaftlichen Institutionen erfolgen.

Ausblick

Wir hoffen sehr, dass die ersten Beutenkäfer in Europa abgetötet werden konnten und keine weitere Ausbreitung in Portugal erfolgt. Wenn sich der Beutenkäfer in Europa ausbreitet, bevor vertretbare Bekämpfungsstrategien entwickelt wurden, ist mit schwerwiegenden Folgen zu rechnen. Es ist zu befürchten, dass viele Imker ihre Beschäftigung mit den Bienen aufgeben. Ein nicht wieder gutzumachender Strukturverlust wäre die Folge, eine flächendeckende Bienenhaltung wäre kaum noch zu erwarten. Die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen wäre in Frage gestellt. Die Tatsache, dass die Imker in den USA lernen, den Beutenkäfer mit Arzneimitteln im Schach zu halten, darf nicht dazu verleiten, das Problem herunterzuspielen. Die Bienengesundheit darf nicht von weiteren Medikamenten belastet werden. Sie ist ohnehin in hohem Maße von der Varroatose und den zu ihrer Behandlung erforderlichen Maßnahmen belastet. Darüber hinaus sind die Bienen von Insektiziden und Pestiziden der konventionellen Landwirtschaft angegriffen und leiden unter mangelnder Blütenvielfalt infolge intensiver Landbewirtschaftung. Zudem ist zu befürchten, dass die Agro-Gentechnik der Imkerei ökonomischen und langfristig auch ökologischen Schaden zuführen werden.
Trotz der Gefahr durch den Beutenkäfer dürfen wir Imker nicht resignieren. Inzwischen gibt es Forschungsprojekte, die sich mit der Biologie des Käfers und seiner ökologischen Behandlung befassen. Außerdem sind die Verhältnisse in Deutschland anders als in Südeuropa oder in den USA. Wir Imker hier führen in der Regel eine gut organisierte Imkerei und sind nah an dem einzelnen Volk. Das ist nicht mit Großimkereien zu vergleichen, die tausende Völker betreuen. Wir können bei einem Befall die besonders gefährdeten, schwachen Völker rechtzeitig erkennen.
Wie wäre die Situation heute ohne die Bienenstockkäfer- Kampagne? Die Imkerschaft wäre noch weniger auf einen Befall vorbereitet. Ob behördliche Regelungen vorhanden wären, ist fraglich. Der Befall wäre vielleicht länger nicht erkannt worden und eine Eindämmung dann aussichtslos. Vielleicht wären durch eine Fortsetzung der früher üblichen Importpraxis schon an mehreren Orten Europas Beutenkäfer eingeschleppt worden. Mellifera e. V. hat mit der Bienenstockkäfer-Kampagne wesentlich dazu beigetragen, dass die Institute, Behörden und Imkerschaft nun besser vorberei­tet sind.
Weitere aktuelle Informationen werden wir jeweils unter www.bienenstockkaefer.de veröffentlichen. Verfolgen Sie die Publikationen in der Fachpresse. Bei Verdachtsmomenten wenden Sie sich an Ihre jeweiligen bienenwissenschaftlichen Institute. Vom Bundesministerium ist eine illustrierte Schrift über den Beutenkäfer kostenlos zu beziehen über:

  • Telefon: 0180-5221996
  • Telefax: 0180-5221997

Aktuell

Die Bienenstockkäfer Kampagne ist beendet! Bitte beachten Sie unsere aktuellen Kampagnen:

Prince Charles & Honey
Bienen-Gentechnik
BeeGood


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